Mein Weg mit den Pferden

Meine Reise mit den Pferden begann 2004, parallel zur Gründung meiner Agentur phase grün. Zunächst waren die Pferde mein Hobby und ein Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag.
Mit der Aufnahme unserer Pflegekinder in die Familie veränderte sich ihre Bedeutung. Pflegekinder bringen ihre eigenen Geschichten und Dynamiken mit. In unserem Fall gehörten dazu auch unsichtbare Beeinträchtigungen, die uns vor viele Fragen stellten.
Rückblickend haben die Pferde schon damals einen wertvollen Platz eingenommen. Sie waren einfach da. Sie boten einen Ort, an dem Wahrnehmung, Beziehung und Begegnung möglich waren, ohne dass dafür immer Worte notwendig waren.
Aus den Erfahrungen als Pflegefamilie entwickelte sich ein intensiver Lernweg. Ich begann, mich auf unterschiedlichen Ebenen weiterzubilden: im Bereich der Pferde, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und vor allem in der Systemik. Dabei wurde mein Blick auf Menschen, Beziehungen und die Dynamiken, die zwischen ihnen entstehen, immer differenzierter.
Diese Erfahrungen haben meinen Blick darauf verändert, wie wir Verhalten wahrnehmen und einordnen. Nicht alles, was sichtbar wird, erzählt die ganze Geschichte. Manchmal braucht es andere Perspektiven, um zu verstehen, was hinter einem Verhalten liegt und welche Möglichkeiten darin verborgen sind.
Über eines meiner Pferde führte mich mein Weg schließlich zu Jenny Becker und ihrem Konzept. Die Begegnung mit dieser Form der Arbeit hat etwas in Bewegung gebracht und meinen bisherigen Weg mit den Pferden in eine neue Richtung geführt.
Gleichzeitig stellte mich die Situation als Pflegefamilie zunehmend vor große Herausforderungen. Als deutlich wurde, dass unsere Pflegekinder aufgrund ihrer Situation nicht dauerhaft in der Familie verbleiben konnten, wurde mir von ärztlicher Seite eindringlich empfohlen, mich auch um mich selbst zu kümmern.
Für mich begann damit ein neuer Abschnitt.
Ich startete die zweijährige Ausbildung „Learning by Feeling with Horses“ bei Claudia Swierczek und Jenny Becker. Für mich wurde diese Ausbildung zu einem entscheidenden Wendepunkt. Hier verbanden sich meine langjährigen Erfahrungen mit Pferden mit meinem systemischen Denken und meinen Erfahrungen aus der Arbeit mit Menschen auf eine Weise, die mir einen neuen Blick auf Beziehung, Wahrnehmung und Entwicklung eröffnete.
Seit 2025 vertiefe ich meinen Weg mit Claudia Swierczek, der Gründerin von Learning by Feeling, und ihrem Team. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und meine Assistenz im Team geben mir die Möglichkeit, diesen Ansatz nicht nur anzuwenden, sondern ihn weiter zu erforschen und aus der Praxis heraus weiterzuentwickeln.
Mit der Zeit wurde mir immer klarer, was ich mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen machen möchte.
Ich möchte einen Ort schaffen für Menschen mit unsichtbaren Beeinträchtigungen, beispielsweise FASD oder ADHS, und für die Menschen, die sie begleiten. Einen Ort, an dem nicht zuerst die Defizite im Mittelpunkt stehen, sondern Wahrnehmung, Beziehung, Ressourcen und die Frage:
Was ist möglich?
Meine Vision ist auch aus dem entstanden, was mir auf diesem Weg gefehlt hat. Für die Pflegekinder und für mich gab es im Saarland kaum einen Ort, an dem Austausch, Verständnis, Erfahrung und Unterstützung selbstverständlich zusammenkamen.
Angelehnt an bestehende PeerGroup-Konzepte, unter anderem in Köln, habe ich deshalb eine eigene Idee entwickelt: einen Raum, der nachhaltig unterstützt, Begegnung ermöglicht und Lebensräume schafft, die entlasten und gleichzeitig Entwicklung fördern.
VIOLETT ist aus diesem Gedanken entstanden.
Heute verbinde ich meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen mit meiner kontinuierlichen fachlichen Weiterentwicklung in der Arbeit mit Pferden und Menschen.
Gleichzeitig bin ich auf der Suche nach dem passenden Ort, an dem meine Vision langfristig wachsen kann.
Bis dahin freue ich mich, meine Arbeit auf dem aktuellen Hof und im Rahmen des Fördervereins Ehrensache e. V. weiterzuführen, Menschen zu begleiten und meine Vision Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Denn für mich bedeutet Learning by Feeling nicht nur, mit Pferden zu lernen.
Es bedeutet, durch Begegnung wahrzunehmen, was ist, und zu entdecken, was möglich werden kann.
